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Barrierefreies Webdesign

Veröffentlicht in Empfehlungen & Tipps am 14. September 2011

Barrierefreies Webdesign sollte behindertengerecht, multifunktional, benutzerfreundlich und nicht zuletzt kostenlos zugänglich sein. Speziell seit dem 27. April 2002, der Einführung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG), ist die Bezeichnung „barrierefreies Internet“ in der Webdesignbranche ein sehr beliebtes Verkaufsargument.

Doch ohne Zweifel ist es sehr wichtig Webseiten möglichst vielen Besuchern zugänglich (Accessibility) und vor allem benutzbar (Usability) zu machen.

Accessibility und Usability

Die Umsetzung von „Zugänglichkeit“ und „Benutzbarkeit“ für Behinderte ist technisch und letztendlich auch personal mit sehr hohem Aufwand verbunden. Gewinnorientierten Webseitenbetreiber mit unzureichenden Budgets lehnen aufgrund der höheren Kosten für barrierefreies Internet diese aufwendigere Form der Programmierung ab.

Dem modernen Webdesigner stehen Kunden gegenüber die zeitgemäße und attraktive Webdesignlösungen benötigen um immer anspruchsvollere Anwender zufrieden zu stellen. Die Rede ist von Rich Internet Applications, Web 2.0, Ajax um nur einige Beispiele zu nennen.

Speziell die Entwicklung von JavaScript-Lösungen macht das Internet durch sinnvolle Features wie die Nutzbarmachung der rechten Maustaste oder verkürzten Ladezeiten von dynamischen Inhalten (ganz besonders durch Ajax) immer attraktiver.

Es ist wohl kaum zu verneinen, dass Google, trotz dem Prinzip der Gewinnmaximierung, durch Leistungen und Programme wie Google Maps, Gmail oder Picasa eine kulturelle und wirtschaftliche Bereicherung für unsere Gesellschaft darstellen. Um aber auf unser Thema „barrierefreies Webdesign“ zurückzukommen… um die besten Plätze in den Suchmaschinen zu erreichen sind bei der Suchmaschinenoptimierung (SEO) Maßnahmen nötig, welche ganz und gar nicht mit den Maßnahmen für barrierefreies Webdesign übereinstimmen.

Welche Barrieren gibt es?

Es ist ganz offensichtlich, dass es ganz verschiedene Sichtweisen gibt, was Barrierefreiheit betrifft – seitens der Webseitenbetreiber, der Webdesigner, der Industrie und natürlich den Menschen mit Behinderungen.

Die Liste der Kriterien um es allen Parteien recht zu machen, wäre nahezu unendlich. Um aber einige Beispiele zu nennen – hier ein paar Anforderungen hinsichtlich der Usability, Accessibility und des Webdesigns:

Blinden Menschen ist es unmöglich Texte in Bildern wahrzunehmen, da ihr Ausgabegerät (Braillezeile) sie nicht anzeigt. Tausende von Pixel mechanisch darzustellen ist sinnlos, da die Farbinformationen nicht vorhanden sind. Eine solche Grafik ist aber umgekehrt eine nützliche Barriere um Spam in Gästebüchern oder Missbrauch von Anmeldeformularen zu vermeiden. Sie sehen es entsteht ein Konflikt.

Ein unzumutbarer Aufwand wäre es, Videos für Sehbehinderte als Hörmedium bzw. für Hörbehinderte mit Untertiteln für die Braillezeile darzustellen. Selbst die großen Fernsehsender sind kaum in der Lage, ein Minimum ihres Fernsehprogrammes in Gebärdensprache anzubieten.

Navigation mit Hilfe von aktiven Inhalten (Javascript, Flash o. ä.) schließt Nutzer aus, die die dafür relevanten Plug-Ins nicht installiert haben.

Sehschwache, insbesondere ältere Menschen, benötigen Skalierbarkeit der Schrift im Browser, um die Schriftgröße an ihre Sehleistung anpassen zu können.

Dies sind nur einige Auszüge und Konfliktpunkte aus dem Katalog für barrierefreies Webdesign. Ein Webdesigner, der im Stande wäre möglichst viele Punkte für barrierefreies Webdesign umzusetzen, würde es niemals wagen dem Schreinermeister um die Ecke die Höhe des dazu erforderlichen Budgets für seine Homepage zu nennen.

Was kann ich für Sie tun?

Der Ehrlichkeit wegen möchte ich eines deutlich machen: Ich kann Ihnen kein konsequent barrierefreies Webdesign anbieten. Viele Anbieter versprechen das zwar, aber hier ein gutgemeinter Rat: Prüfen Sie besser genau, auf wen oder was Sie sich dabei einlassen.
Es gehört gewiss mehr dazu, als die Links einer Webseite mit Accesskey-Attributen auszustatten und zu behaupten, das Webdesign der Webseite wäre barrierefrei.

Für Einrichtungen oder Unternehmen, die planen ihren Internetauftritt behinderten Menschen zugänglich zu machen, habe ich gerne ein offenes Ohr und werde in Zusammenarbeit mit anerkannten Spezialisten Ihren Wunsch Barrierefreiheit auf Ihrer Webseite anzubieten bestmöglich umsetzen.